Alte Schmiede mit jungem Charakter

Ein Restaurant mit Geschichte

Biegt man in Groß-Bieberau von der B38 ab in Richtung Lichtenberg, fährt man unwiderruflich an dem blauen schindelverkleideten Gebäude in der Marktstraße vorbei.

Urkundlich wurde das Haus erstmals 1656 erwähnt. 1990 hat es Marianne Wachsmuth geerbt. Es ist das Elternhaus ihrer Mutter. Die Mutter von Marianne ist eine geborene Schellhaas, deren Familie neben der Bäckerei und einem Café auch ein Hotel führten. So war Gastronomie kein Fremdwort für Marianne. Sie und ihr Mann Erhard wollten sich damit den Traum einer Weinstube erfüllen. Sie ließen das Haus entkernen und sanieren. Fast 2 Jahre dauerte es, bis sie endlich das Lokal eröffnen konnten. Und was daraus geworden ist kann sich sehen lassen. Eine ländlich, geschmackvolle Lokalität. Solide Fachwerkstreben geben dem Lokal Struktur und viele kleine Fenster spenden mildes Licht. Rustikale Tische, Stühle und Bänke, die im Laufe der Jahre auf Antikmärkten erworben wurden und einst in der Scheune lagerten, laden zu einem gemütlichen Beisammensein ein. Sogar der Küchenschrank der Großmutter hat in der Stube seinen alten Platz finden können. Über dem Sofa, das hinten in der Ecke steht, hängt das Foto von Großvater Georg Mager mit Pickelhaube und Gewehr. Er war der letzte Schmied im Haus, fiel ganz jung im Ersten Weltkrieg in Verdun.

Bis Ende der Vierziger Jahre war die Schmiede in einem Seitengebäude eingerichtet. Während des Krieges wurde die Schmiede komplett ausgeräumt, so dass nicht mehr viel von einer Schmiede übrig war. Allerdings kam der Amboss zur großen Freude an der Eröffnung der Weinstube zurück und steht seitdem am Eingang der Gaststube. Dieser befindet sich nicht, wie es von außen vermuten lässt, an der Straße, sondern im Innenhof. So kommt man zuerst durch den kiesbedeckten Hof, der im Sommer genauso einladend ist, wie das Lokal. Mit altem Baumbestand und nostalgisch angelegt mit Blumen aus dem Bauerngarten. Man lässt sich gern hier nieder und genießt die lauen Sommerabende bei leckerem Wein und feinen Delikatessen.

Marianne und Erhard legten in ihrer Weinstube immer Wert auf gute Weine, über deren Anbaugebiete sie viel zu erzählen hatten. Dazu gab es eine Speisekarte mit kleinen Gerichten, wie Pfannkuchen, Spargel, Salat, Pastete und saisonales Gemüse. Auf Zapfbier verzichteten die beiden Wirtsleute, die flink, behände und freundlich ihre Gäste Mittwoch und Samstag abends persönlich begrüßten.

2013 hat der Enkel, Florian Wachsmuth, der in dem Haus aufgewachsen ist, das Lokal von Marianne übernommen. Die Weinstube hat dadurch nichts verloren. Im Gegenteil. Durch die jahrelange Erfahrung in renommierten Häusern hat der ausgebildete Koch einen jungen Charakter in die Küche gebracht und auch die Öffnungszeiten erweitert. So können die Gäste fast täglich in behaglicher Atmosphäre die Alte Schmiede mit ihren Weinen und feinen Speisen genießen.

Alte Schmiede | Groß-Bieberau